{"id":839,"date":"2026-03-13T08:15:14","date_gmt":"2026-03-13T08:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/?p=839"},"modified":"2026-03-15T19:28:57","modified_gmt":"2026-03-15T19:28:57","slug":"12-03-2026-riga-tallin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/?p=839","title":{"rendered":"12.03.2026: Riga &#8211; Tallinn"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Tag sollte erneut ein Reisetag sein &#8211; und zwar vorerst der letzte per Bahn. Morgens im Fr\u00fchst\u00fcckssaal liefen auf den Bildsschirmen erneut animierte Motive, auch sie zeigten Jugendstilh\u00e4user und bunte Schmetterlinge, nur war im Hintergrund nicht der Eiffelturm, sondern diesmal der Pariser Triumphbogen zu sehen &#8211; aber schon wieder keine Sehensw\u00fcrdigkeit aus Riga.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte vor meiner Abfahrt kurz vor 12:00 Uhr noch ein wenig Zeit und beschloss, im angrenzenden Einkaufszentrum eine Drogerie aufzusuchen, denn ich hatte mir am gestrigen Tag an beiden F\u00fc\u00dfen ordentliche Blasen gelaufen, warum auch immer, schlie\u00dflich war ich auch schon vorher jeden Tag l\u00e4ngere Strecken zu Fu\u00df unterwegs. In einer lokalen Drogeriekette &#8222;Drogas&#8220; machte ich eine interessante Entdeckung: Das dortige Produktsortiment beinhaltete auch die Rossmann-Hausmarke &#8222;Isana&#8220;. So kaufte ich mir eine Packung Blasenpflaster &#8222;Fu\u00dfwohl&#8220;. Ich recherchierte sp\u00e4ter w\u00e4hrend der Zugfahrt und fand heraus, dass Rossmann keine Anteile an der Kette besitzt, sondern dass sie im Besitz eines Investors aus Hongkong ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1239-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"875\" data-link=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/?attachment_id=875\" class=\"wp-image-875\" srcset=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1239-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1239-300x225.jpg 300w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1239-768x576.jpg 768w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1239.jpg 1120w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235-1024x768.jpg\" alt=\"\" data-id=\"876\" data-full-url=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235.jpg\" data-link=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/?attachment_id=876\" class=\"wp-image-876\" srcset=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235-300x225.jpg 300w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235-768x576.jpg 768w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1235.jpg 1120w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\">Au\u00dfen Drogas, innen viele Rossmann-Produkte mit deutscher Beschriftung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Supermarkt im Einkaufszentrum neben dem Bahnhof verkaufte wieder alkoholische Getr\u00e4nke, sodass ich mir zwei Flaschen Valmiermui\u017ea als Souvenir zulegen konnte. Ich hatte au\u00dferdem vage \u00fcberlegt, Graue Erbsen mit Speck f\u00fcr den Abend zu kaufen, da mir ein weiterer Tag in Tallinn f\u00fcr den Besuch eines Restaurants blieb und mein Speiseplan am Tag zuvor ja leider erfolglos war. Auf dem Weg zum Supermarkt kam ich an zwei weiteren Lido-Filialen vorbei, aber auch die hatten sie nicht im Sortiment. Im Supermarkt suchte ich also zun\u00e4chst bei den zubereiteten Speisen und anschlie\u00dfend &#8211; dann nur noch aus Neugier &#8211; sogar bei den Konservendosen nach Grauen Erbsen &#8211; vergeblich. Ich fragte mich, warum man einem Land solch eine Spezialit\u00e4t zuschreibt, wenn man sie fast nirgendwo bekommen kann. Noch vor Ort schaute ich per Handy im Internet, ob es Graue Erbsen im Falle eines sp\u00e4teren dringenden Bedarfs auch in Deutschland zu kaufen gibt, und ich staunte nicht schlecht: Ich las im entsprechenden Artikel bei Wikipedia, dass Graue Erbsen eine Spezialit\u00e4t vorrangig aus Elmshorn seien, die dort am Faschingsdienstag gegessen wird und die fr\u00fcher auch mal in Ostpreu\u00dfen bekannt gewesen sei. Offensichtlich war mein Reisef\u00fchrer v\u00f6llig veraltet und ich dachte kurz dar\u00fcber nach, in einem der n\u00e4chsten Jahre eine Bahnreise im Februar nach Elmshorn zu planen, um dort das ehemalige lettische Nationalgericht zu probieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ticket f\u00fcr die Zugfahrt hatte ich online vor einer Woche in Warschau gebucht, denn fr\u00fcher ist es f\u00fcr die Z\u00fcge der estnischen Zuggesellschaft Elron nicht m\u00f6glich. Die Route sah vor, dass ich von Riga bis zur Grenzstadt Valga mit einem lettischen Zug fahren und dort in einen estnischen umsteigen m\u00fcsste. Im pdf-Dokument war unten zudem ein Hinweis zu lesen mit der Bitte, sich an einen Servicemitarbeiter der lettischen Zuggesellschaft zu wenden, um f\u00fcr den ersten Teil der Reise ein kostenloses Ticket ausgestellt zu bekommen. Am Fahrkartenschalter in Rigas Hauptbahnhof scheiterte ich allerdings mit meinem Anliegen. Mir wurde dort mitgeteilt, dass ich eine Fahrkarte schon kaufen m\u00fcsse und nicht einfach bekommen k\u00f6nne. Den per Smartphone ins Lettische \u00fcbersetzten Abschnitt las die Mitarbeiterin zwar, aber sie verwies mich anschlie\u00dfend an einen Serviceschalter in der n\u00e4chsten Halle. Dort geschah exakt das Gleiche. In der dritten Halle des Bahnhofs ging ich dann zu einem Infostand &#8211; und der kompetente Mitarbeiter konnte mich beruhigen: Mit dem Servicemitarbeiter sei der Schaffner im Zug gemeint, ich k\u00f6nne also einfach einsteigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1370-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-874\" srcset=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1370-768x1024.jpg 768w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1370-225x300.jpg 225w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1370.jpg 840w\" sizes=\"(max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><figcaption>Die Fahrpl\u00e4ne der baltischen Staaten sind erst seit ca. anderthalb Jahren so abgestimmt, dass man bequem international reisen kann.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu meinen vorherigen Fahrten in den baltischen Staaten war der Ausblick aus dem Fenster diesmal ein v\u00f6llig anderer: Es war zwar bedeckt und nicht mehr sonnig, vor allem aber war die verbleibende Schneedecke au\u00dferhalb der St\u00e4dte innerhalb der letzten 48 Stunden komplett geschmolzen. Bis auf ein paar Resthaufen r\u00fcckte also auch hier wie schon in Deutschland zwei Wochen zuvor der Winter langsam in den Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Grenz\u00fcbergang geschah diesmal ohne einen h\u00f6rbaren Unterschied auf den Gleisen und der Umstieg in Valga verlief problemlos. Ich konnte bei der Weiterfahrt ein letztes Mal die Ger\u00e4umigkeit der Z\u00fcge russischer Spurbreite erleben, denn in jeder Reihe gab es sogar Platz f\u00fcr f\u00fcnf Sitze. Die englischen Durchsagen des estnischen Personals verdeutlichten mir, dass die Sprache recht wenig mit den beiden anderen des Baltikums zu tun hat &#8211; ich vernahm ein Stakkato und gleichzeitig einen &#8222;Singsang&#8220; in der Sprechweise, die mich an fr\u00fchere Unterhaltungen mit finnischen Wissenschaftlern w\u00e4hrend eines europ\u00e4ischen Forschungsprojekts erinnerte.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"420\" src=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1373-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-883\" srcset=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1373-1.jpg 560w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1373-1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 560px) 100vw, 560px\" \/><figcaption>Der ger\u00e4umige Zug der estnischen Zuggesellschaft Elron<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Den Rest der Fahrt verbrachte ich unter anderem wie schon seit Beginn meiner Bahnreisen mit der Programmierung eines L\u00f6sers des Solitaire-Murmelspiels &#8211; denn er ist auch nach 11 Jahren noch immer nicht fertig; kein Wunder, wenn ich nur alle paar Jahre immer ein paar Stunden Zeit daf\u00fcr spendiere. Und ich las ein paar private E-Mails, auch wenn ich mit Ern\u00fcchterung festgestellt habe, dass gerade in den letzten Tagen die Anzahl an Spam-Nachrichten zugenommen hat, auch in Form von SMS und anonymen Anrufen auf meinem Handy (die ich abgewiesen habe). Ich fand in meiner Inbox ca. 10 Phishing-E-Mails, die eine komplette angebliche Verkaufstransaktion eines von mir bei kleinanzeigen.de eingestellten Campingzelts abbildeten, inklusive E-Mails von unterschiedlichen Interessenten vorher mit der Frage, ob es noch zu haben sei und der Aufforderung in den letzten E-Mails, ich m\u00fcsse f\u00fcr die finanzielle Abwicklung nur irgendwas ganz einfach durch Klicken best\u00e4tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die sp\u00e4te Abfahrt aus Riga und die lange Fahrt kam ich erst gegen fr\u00fchen Abend in Tallinn an. Auf dem Weg zum Hotel fielen mir zwei Dinge auf &#8211; zum einen die mittelalterliche Altstadt zu meiner Linken, die ich plante, am kommenden Tag zu besuchen, zum anderen die pl\u00f6tzlich auf dem Gehweg erscheinenden Roboter, die hier rollenderweise Essen ausliefern. Ich hatte schon vorher gelesen, dass Estland derzeit mit zur digitalen Speerspitze Europas geh\u00f6rt, aber hier sah ich in der Tat einen Beweis daf\u00fcr. Auch, wenn die Dinger schon echt cool sind, finde ich weiterhin, dass der B\u00fcrgersteig in erster Linie den B\u00fcrgern vorbehalten sein sollte, auch wenn ich vielleicht ein wenig altmodisch bin und bei der Vorstellung von zu vielen Robotern auf dem Gehweg auch an seltsame Stra\u00dfenoptik und Stolperfallen denke. Und bis Essensroboter eingeb\u00fcrgert werden, dauert es vermutlich noch (gl\u00fccklicherweise) ein wenig. Vermutlich wird es so sein, wie mit den E-Scootern: wenn sie der Allgemeinheit zu viel werden, wird man sie schon einschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"420\" height=\"560\" src=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1376-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-881\" srcset=\"https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1376-1.jpg 420w, https:\/\/transeuropaexpress.brightspace.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1376-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><figcaption>Sie flitzen \u00fcber den B\u00fcrgersteig, warten an der Ampel und weichen aus: Roboter, die Essen ausfahren. Noch sind es wenige.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mein Hotel in Tallinn hatte ich bei booking.com vor zwei Tagen storniert und gleich danach auf der gleichen Plattform zu gut der H\u00e4lfte des Preises erneut gebucht. Diese Unterkunft hatte gleich mehrere Saunen und sogar ein Schwimmbad. Die finnische Sauna ging seltsamerweise direkt vom Bereich der Herrenduschen ab, aber ich ahnte kurze Zeit sp\u00e4ter, warum: Es herrschten 100\u00b0C und die anderen Besucher nahmen es sportlich, denn alle zwei Minuten kippten sie erneut mehrere Kellen Wasser auf den Ofen. Der Raum war nicht sonderlich gro\u00df und so verwandelten sich meine Blasen an den F\u00fc\u00dfen innerhalb von Sekunden gef\u00fchlt zu Brandblasen, selbst das trockene Handtuch wurde mir zu hei\u00df. Ich verstand, warum die anderen G\u00e4ste ihre Badelatschen noch anhatten und die F\u00fc\u00dfe nicht herausnahmen, um ihre k\u00fchle Temperatur zu bewahren. Das tat ich beim n\u00e4chsten Mal auch und ich hatte das Gef\u00fchl, dass sie pl\u00f6tzlich angenehm weich wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sauna \u00f6ffnet morgens um 09:00 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tag sollte erneut ein Reisetag sein &#8211; und zwar vorerst der letzte per Bahn. Morgens im Fr\u00fchst\u00fcckssaal liefen auf den Bildsschirmen erneut animierte Motive, auch sie zeigten Jugendstilh\u00e4user und bunte Schmetterlinge, nur war im Hintergrund nicht der Eiffelturm, sondern diesmal der Pariser Triumphbogen zu sehen &#8211; aber schon wieder keine Sehensw\u00fcrdigkeit aus Riga. 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