05.03.2026: Hamburg – Warschau

Drei Jahre nach meiner letzten Bahnreise nach Madrid machte ich mich wieder auf den Weg. Diesmal lag es nicht an der Corona-Pandemie, die meinen eigentlich zweijährigen Rhythmus störte, sondern an unserer Fernreise, die im letzten Jahr eine Ausnahme darstellte.

Ich freute mich, dass ich in diesem Jahr mir noch unbekannte Länder Europas besuchen werde, was mich meinem Ziel, alle Länder Europas bereist zu haben, ein Stück näher bringen sollte. Vor drei Jahren kannte ich strenggenommen nur Monaco noch nicht – und dort habe ich auf der Strecke von Genua nach Cannes auch nur den unterirdischen Bahnhof aus dem Zug gesehen… und in der kurzen Zeit ca. 2 Euro für mobile Daten ausgegeben, da ich das Datenroaming vergessen hatte auszustellen. So wird man wohl ein reiches Land.

Die Reiseplanung für diese Tour war nicht einfach, denn ich zögerte, mich bei dieser im Schnitt doch eher kalten Jahreszeit für die baltischen Staaten zu entscheiden, hatten mich meine vergangenen Reisen eigentlich immer alle in Richtung Mittelmeer gebracht.

Bei traumhaften Wetter fuhr ich früh morgens mit der U-Bahn zum Hamburger Hauptbahnhof und erblickte auf dem Info-Schirm den Hinweis auf 18°C, die für ein paar Tage später angesagt waren. Auch der Ausblick für meine Reiseziele war nicht schlecht. Am Hauptbahnhof angekommen, zeigte die Infotafel diverse Zugausfälle und Verspätungen an und ich hoffte, dass mich mein ICE statt über Ludwigslust und Wittenberge nun über Uelzen und Stendal (aufgrund von verzögerten Bauarbeiten) pünktlich nach Berlin bringen würde. Als ich meine Reise gebucht hatte, sah mein Reiseplan vor, dort in den Berlin-Warschau-Express umzusteigen, mit dem ich vor 11 Jahren meine Bahnreisen begann. Seit meiner Buchung hatte sich die Fahrt allerdings zwei Mal geändert: Erst musste ich auf eine spätere Verbindung umbuchen, da meine gewählte frühere gestrichen wurde. Die sah nun vor, dass ich von Berlin aus mit einer Regionalbahn nach Frankfurt (Oder) fahren und erst dort in den Express einsteigen sollte. Meine Platzreservierung war also hinfällig (aber Entschädigung beantragen kann man laut App erst dann, wenn die ursprüngliche Abfahrtszeit verstrichen ist). Das zweite Mal musste ich statt der Regionalbahn einen Bus im Ersatzverkehr als Alternative wählen, denn aufgrund von weiteren Bauarbeiten sollten in Fürstenwalde (Spree) nun gar keine Züge fahren. Zum Umsteigen hatte ich in Berlin aber planmäßig nur 10 Minuten Zeit.
Fünf Minuten vor Abfahrt meines ICEs gab es am Bahnsteig eine Durchsage: „Vorsicht an Gleis 12, ein Zug fährt durch“. Ich erkannte auf den Schildern der Wagen meine geplante Zugnummer und hoffte, dass er nicht durchfährt, sondern auch hält. Das war glücklicherweise auch der Fall, wenn auch mit umgekehrter Wagenreihung, die erst kurz vor Abfahrt an den digitalen Hiinweisschildern am Gleis korrigiert wurde. Mein gebuchter Sitzplatz am Fenster befand sich unglücklicherweise direkt neben einer Waggonwand ohne Ausblick. Glücklicherweise war wenig los, so dass ich umziehen konnte.

Da bucht man einen Platz in der 1. Klasse am Fenster – und dann das!

Kurz nach Hamburg gab es eine Durchsage, dass es derzeit keinen Kaffee an Bord gibt, da das Bordrestaurant noch geschlossen sei – und kurz vor Uelzen hatten wir bereits 12 Minuten Verspätung (Durchsage des Zugführers: „Ich weiß auch nicht, warum“). Nach Öffnung des Restaurants begann auch der Service in der 1. Klasse (die ich mir dank Sparpreis gegönnt hatte). Die Nachbarin auf der anderen Seite meiner Reihe bestellte sich einen Kaffee und fragte nach dessen Eintreffen nach Süßstoff. Als der Mitarbeiter in seiner Gürteltasche danach wühlte, konnte Sie ihre Komplimente nicht mehr bei sich behalten und sagte zu ihm mit Berliner Akzent: „Sie sind ja ’n richtjes Känguru!“.

In Berlin angekommen mit 9 Minuten Zeit zum Umsteigen in den Bus sah ich am Ausgang Invalidenstraße, dass der Busbahnhof derzeit auch eine Baustelle war. Mangels Beschilderung erkundigte ich mich am Infostand und fand den Bus dann auf der anderen Straßenseite. Die Fahrt über die Autobahn nach Frankfurt (Oder) ging durch Brandenburgs ausgedehnte Wälder an Flüssen und Seen vorbei, und aufgrund von zwei Baustellen auf der Straße hatte ich im Stau noch ein wenig mehr Zeit, die Gegend zu betrachten. Wir kamen trotzdem überpünktlich an.

Der Berlin-Warschau-Express stand vermutlich aufgrund der verkürzten Reiseroute bereits auf dem Gleis. Mein 1. Klasse-Wagon war ein Wagen der zweiten Klasse – am Fenster der Eingangstür klebte lediglich ein Zettel mit einer großen 1. Die Fahrt mit der PKP nach Warschau verlief im Gegensatz zum teils chaotischen Reisebeginn problemlos: Die Qualität der WLAN-Verbindung war deutlich besser, wir waren pünktlich und es gab kostenlosen Kaffeeservice, so wie auch schon vor 11 Jahren.

In Warschau führte der Weg von „Warszawa Centralna“ zu meiner Unterkunft vorbei am Kulturpalast und ich war gespannt, denn ich hatte mir nach langem Zögern als letzte Übernachtung auf der Reise die in einem Kapselhotel gebucht. Ich kannte Kapselhotels nur aus Beschreibungen in Reiseführern über Japan, aber dort hatte ich 2009 ein normales Hotel gewählt, um in Tokio nicht ständig umziehen zu müssen. Ich wurde positiv überrascht. Meine „Kapsel“ war recht gemütlich und die Matratze nur einen Tick zu weich.

Ich verstaute nur kurz mein Gepäck auf meinem Bett, denn einen großen Gepäckraum gab es nicht. Anschließend wollte ich mir trotz früh eintretender Dunkelheit noch ein wenig die Füße vertreten. Ich schlenderte durch die Straßen der Innenstadt entlang der Nowy Świat in Richtung Weichsel und entdeckte mindestens drei Rossmann-Filialen, dazu noch Tchibo und LIDL. Entlang der Weichsel ging ich dann in einem großen Bogen in Richtung Altstadt mit ihren nach dem zweiten Weltkrieg wiederhergestellten Gebäuden. Ich war wieder mal angetan, denn die Innenstadt wirkte angenehm quirlig, jung und sauber und die Leute auf den Straßen hätten ihrem Kleidungsstil nach fast alle auch aus zum Beispiel Hamburg kommen können. Die Restaurants, an denen ich vorbei kam, sahen alle ausnahmenslos gemütlich aus, und so landete ich wie geplant in einem, das als Spezialität Piroggen anbot.

Später zurück in meiner Unterkunft sah ich, dass auf dem Flurfußboden nur wenig bereitgestellte Latschen lagen. Es war also recht leer. In der Tat hörte ich nur gelegentlich das leise Surren der Rolläden von entfernt benachbarten Kapseln, ansonsten blieb es ruhig.

Veröffentlicht am
Kategorisiert als 2026

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert